Seit ein paar Wochen lebt hier ein
Samsung NC10 Netbook. Nicht, dass ich unbedingt eines bräuchte, mein Hauptrechner ist ein IBM Thinkpad X60s, das ist mit 12" schon recht übersichtlich und handlich. Aber schick für unterwegs sind solche Netbooks ja dann doch irgendwie. Und außerdem wollte ich mal ein bisschen mit
OpenSolaris spielen. Und bei der Gelegenheit gleich noch prüfen, ob sich das als Linux-Ersatz eignet.
Warum überhaupt Samsung? Well... vor etwa einem halben Jahr habe ich mir versuchsweise mal einen gebrauchten Asus EeePC 701 4G geholt. Auch da lief schon OpenSolaris drauf, aber nicht in einem Zustand, dass man es auch benutzen wollte. 4GB Flash-Platte sind halt doch arg wenig. Die Tastatur ist ziemlich winzig und manche Tasten sind sehr gewöhnungsbedürftig angeordnet. Außerdem sind 7" als Display zum daran arbeiten schon arg winzig. Samsung ist im
Greenpeace Guide to greener lectronics seit Jahren ganz vorne mit dabei. Das NC10 sah nach brauchbarer Tastatur aus. Was ich so las, war auch die Verarbeitungsqualität des gesamten Geräts recht hochwertig. Also habe ich eines in hochglanzschwarz mit 2GB RAM bestellt. Weil OpenSolaris drauf sollte, sollte das natürlich auch gleich mit ZFS Root Pool laufen und ZFS freut sich über viel RAM. Und RAM kostet heute ja kaum mehr was...
Erster Versuch war ein OpenSolaris Express Community Edition, Build 114. Tat recht problemlos. WLAN tat sofort, Kabelnetz musste ich selber bauen. Und SXCE bringt ungefähr 2 Gigabyte Software mit, wovon ich fast nichts wirklich für unterwegs brauche. Dafür fehlt TeX, R und allerlei Kleinkram aus der Helferkiste. Also ein Versuch mit OpenSolaris 2009.06. Was es damals noch nur als prerelease beta gab. Wurscht. Bootet tadellos und installiert auch tadellos. WLAN geht direkt aus der Kiste, Kabelnetz (Marvell 80E8040) muss immer noch extra kompiliert werden. Ist aber weiter kein Aufwand.
Direkt nach der Installation eines Developer Release tut man gut daran, das Package Repository auf
http://pkg.opensolaris.com/dev zu ändern. Damit kriegt man dann auch die zum Pre-Release passenden Pakete.
TeX Live und das Statistik-Paket
R sind trotzdem nicht drin. Mit Erscheinen des offiziellen 2009.06 Release habe ich erstmal wieder zurück gestellt auf
http://pkg.opensolaris.com/release.
TeX Live ist mittlerweile auch installiert. Die notwendigen Werkzeuge bringt TeX-Live
selbst mit. Ging prima. R muss ich selber kompilieren. Weil das NC10 ein Atom N270 ist, hat das halt keine 64bit, und für 32bit gibt es keine fertigen R-Packages für Solaris. Egal, hat erstmal keine Eile.
Nach drei Wochen "Vorbereitungszeit" hatte ich den kleinen dann vor zwei Wochen das erste Mal unterwegs dabei und bereitete unter anderem diesen Blogeintrag hier vor. Was mir an dem Gerät bisher so aufgefallen ist:
- (+) Die Tastatur hat eine sehr brauchbare Größe und ein angenehmes Tippgefühl. Guter Druckpunkt, hochwertige
Verarbeitung.
- Leider gibt es keinen Trackpoint, das Touchpad reagiert sehr empfindlich und ich klopfe mit meinen Wurschtfingern beim Tippen längerer Texte gerne mal versehentlich drauf und lande dann irgendwo im Fenster. Update: Zumindest unter Linux Kann man das Touchpad per FN-F10 komplett abschalten.
- (-) Die Tasten STRG und FN sind vertauscht zu meinem Thinkpad. Heisst: STRG ist ganz unten links, FN eines weiter drin. Das bringt meinen Tippfluss kräftig durcheinander. STRG braucht man in Emacs und an der Shell eben häufig.
- (-) Größer/Kleiner und Pipe sind links statt rechts. Das nervt, wenn man viel HTML schreibt und viel Unix Kommandozeile.
- (-) Wenn man einen externen Screen dazuschalten will, geht OpenSolaris runter auf 640x480. Auch auf dem internen Screen. Da ist sicher noch room for improvment
- Solaris kann die Helligkeit des Displays (noch?) nicht steuern. Das führt dann sogar dazu, dass das Display hell bleibt, wenn
man Solaris mit Netzteil gebootet hat und das Netzteil später aussteckt. Oder dunkel bleibt, wenn man mit Akku gebootet hat und später das Netzteil einsteckt.
- (-) Logitech Presenter bringt X durcheinander. An einer SunRay unter Solaris und OpenSolaris tut das Teil ganz wunderbar, was es soll. Auf dem NC10 mit evince schalten die Vorwärts-/Rückwärtstasten den Workspace, aber nicht die nächste
Seite. F5 und ESC vom Presenter gehen gar nicht. Allerdings wird das Gerät vom USB-Stack als solches erkannt. Das schreibt ebenfalls nach einem Bug-Report.
- (-) Suspend to RAM geht nicht. Suspend To Disk auch nicht, aber das wäre mir egal. Aber Deckel zu und schlafen legen ist gerade als Konferenzbegleiter für Notizen nicht unwichtig, um Akku zu sparen.
Das sind mal die Sachen, die mir nach
den ersten paar Wochen aufgefallen sind. Audio, Video und die eingebaute Webcam habe ich noch gar nicht probiert.
Ich schwanke noch, ob ich mich weiter um OpenSolaris kümmern soll oder der Einfachheit halber mit z. B. einem Ubuntu weiter mache. Vom Samsung an sich bin ich – bis auf die paar Macken mit der Tastatur – sehr zufrieden.
Update: Der Beitrag ist ursprünglich schon vor fast vier Wochen entstanden. In der Zwischenzeit habe ich das OpenSolaris gegen ein Ubuntu 9.04 ausgetauscht und bin gerade dabei, Solaris in einer VirtualBox zum fliegen zu kriegen. Dazu mehr in einem gesonderten Beitrag. Sieht bisher recht gut aus.
Aufgenommen: Apr 23, 14:09